Zwei Personen wandern auf einer schneebedeckten Fläche unter bewölktem Himmel
WIE SCHNEE DEN SOMMER ÜBERDAUERT

Snowfarming am Kitzsteinhorn

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ewahren und konservieren, statt schmelzen und neu erzeugen. Das ist die ressourcenschonende Devise des Snowfarmings am Kitzsteinhorn. In großen Schneedepots wird Schnee für den frühen Start in die Wintersaison bewahrt. Gleichzeitig werden das Eis in den abgedeckten Gletscherbereichen geschützt und Energie für die maschinelle Beschneiung eingespart.

Wortwörtlich übersetzt bedeutet Snowfarming das „Anbauen von Schnee“. Und so wie ein Bauer sein Feld bestellt, aussät und die heranwachsenden Pflanzen bis zur Ernte hegt und schützt, kümmert sich am Kitzsteinhorn ein erfahrenes Team unter der Leitung des technischen Prokuristen Günther Brennsteiner und Pistenchef René Cizek um sein „Pflänzchen“ Schnee.

Mehrere strategisch verteilte Schneedepots übersommern im Gletscherbereich des Kitzsteinhorns bis zum Start in die Wintersaison im Frühherbst. Dann ist Erntezeit: Der konservierte Schnee des vergangenen Winters wird auf kurzen Wegen verteilt und bildet die Grundlage für einen frühen Pistenstart.

Gruppe von Personen und Pistenraupe mit abgedecktem Schnee vor Bergkulisse
Die Snowfarming-Crew

Gletscherschutz durch Schneedepots

Seit 2010 betreibt man am Kitzsteinhorn Snowfarming und konnte in dieser Zeit umfassendes Know-how in der Schneekonservierung aufbauen. Günther Brennsteiner erzählt bei der Auffahrt mit dem Pistengerät zu den Schubarbeiten für das Depot:

„Mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Open Air Lab am Kitzsteinhorn haben wir die Schneedepots gestartet. Die Forschungspartner standen uns bei der Entwicklung zur Seite und untersuchen die Auswirkungen der Depots auf die angrenzenden Gletscherbereiche.“

Das Open Air Lab wird seit 2010 von GEORESEARCH und der Gletscherbahnen Kaprun AG betrieben. Als Projektpartner beteiligen sich die Technische Universität München, die Paris Lodron Universität Salzburg und das Munich Alpine Hazards and Mitigation Cluster.

Durch das Abdecken werden Schnee und Eis in den Depotbereichen vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt und das sommerliche Abschmelzen deutlich reduziert.

René Cizek, Pistenchef

Schnee abdecken mit Vlies und Nähmaschine

Im Mai beginnen die Arbeiten an den strategisch verteilten Schneedepots. Mit Pistengeräten wird der Schnee, der sonst abschmelzen würde, zusammengeschoben und verdichtet. Pistenchef René Cizek ist mit dem Skidoo bereits unterwegs zum frisch angelegten Depot an der Talstation des Schneehasen-Lifts, wo sich das erfahrene Team versammelt hat.

„Idealerweise ist der Schnee noch nicht von der Sonne durchwärmt und zu Altschnee geworden. Dann erzielen wir die besten Ergebnisse beim Snowfarming. Unsere Mannschaft deckt heute die restliche Fläche des Schneehasendepots mit Vlies ab, vernäht die Bahnen mit der Handnähmaschine und befestigt die Sandsäcke.“

Während das Team die großen Vliesrollen von der Pistenraupe hebt, erzählt Günther Brennsteiner:

„Das Vlies wurde über die Jahre speziell für Schneedepots in Skigebieten weiterentwickelt. Es ist enorm reißfest und reflektiert das Sonnenlicht. Bei starkem Regen sorgt die eingearbeitete Struktur dafür, dass das Wasser geordnet und nicht als Sturzbach abfließt.“

Zwei Personen knien auf Schnee vor Bergkulisse und betrachten etwas auf der Oberfläche
Die frisch vernähten Vliesplanen schützen den Schnee.

Damit das Vlies auch bei Sturm an seinem Platz bleibt, werden die breiten Bahnen fest miteinander vernäht. Schneimeister und in diesem Fall „Vlies-Schneidermeister“ Stefan Bürgler weiß mit der Handnähmaschine bestens umzugehen. Gekonnt fädelt er die Fäden der zweispuligen Maschine ein und näht die überlappenden Vliesbahnen im Kettstich aneinander.

„Im Herbst, wenn die Depots wieder vom Vlies befreit werden, löst man diesen Stich wie bei einem Kartoffelsack mit einem einzelnen Ruck am Faden. So können die gleichen Vliesbahnen mehrfach wiederverwendet werden“, verrät der Pistenchef und koordiniert sorgfältig das Auflegen der Bahnen auf dem großen Schneedepot.

Handgefüllte Sandsäcke sorgen an den Enden der Vliesbahnen für den notwendigen Ballast, damit sich die Vliesdecke auch bei Sturm nicht vom Depot hebt.

Das über viele Jahre erworbene Snowhow und der Wissensvorsprung im Snowfarming sind kein Firmengeheimnis, wie der technische Prokurist lachend verrät:

„Gern geben wir unsere Erfahrung an andere Skigebiete weiter. Immer wieder bekommen wir Besuch von internationalen Delegationen, die sich unsere Depots und deren Entstehung genau ansehen. Zudem wird laufend an der Weiterentwicklung der Vliesqualität gearbeitet.“

Die ökologische Verträglichkeit der Geotextilien wurde über die Jahre kontinuierlich optimiert. Alpine Skigebiete verfolgen gemeinsam das Ziel, möglichst umweltverträgliche Materialien zur Isolierung von Schnee und Eis einzusetzen.

Skivergnügen auf „Schnee von gestern“

Die Fertigstellung aller Schneelager nimmt mehrere Wochen in Anspruch. Ist die letzte Vliesbahn vernäht, angebracht und beschwert, dürfen die Schneelager in den Sommerschlaf gehen. Danach kontrolliert René Cizek über die Sommermonate regelmäßig, ob das Vlies richtig sitzt oder sich Ballastsäcke witterungsbedingt von der Plane gelöst haben.

Auch bei warmen Temperaturen kann ein großer Teil des „angebauten“ Schnees über den Sommer konserviert und im Herbst als Grundlage für den frühen Pistenstart genutzt werden. Günther Brennsteiner erklärt:

„Vor dem Saisonstart werden die Schneedepots abgedeckt und das Vlies bis zur Wiederverwendung aufgerollt und gelagert. Der Schnee wird anschließend mit den Pistengeräten auf kurzen Wegen verteilt.“

Die Lager sind an neuralgischen Stellen positioniert, an denen der Schnee für einen frühen Pistenstart gebraucht wird. Oft stimmen zu dieser Zeit Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Wassertemperatur noch nicht für eine maschinelle Beschneiung. Der wiederverwendete Depotschnee trägt daher dazu bei, den Saisonstart zu sichern.

„Idealerweise gibt es beim Verteilen des Schnees bereits etwas Neuschnee. Das Vermischen mit dem konservierten Schnee schafft eine gute Grundlage für den Winter und schützt gleichzeitig das darunterliegende Gletschereis.“

Schutz fürs Gletschereis

Das Erstellen der Depots ist für das Team zeit- und kraftaufwendig. Der ressourcenschonende Umgang mit vorhandenem Schnee und der schützende Effekt für die abgedeckten Gletscherbereiche sprechen jedoch deutlich für den Aufwand.

Günther Brennsteiner berichtet:

„Wissenschaftler des Open Air Lab untersuchen die Veränderungen im hochalpinen Naturraum regelmäßig mithilfe moderner Messmethoden und Drohnenflügen.

Die Daten der Forschungspartner zeigen, dass die Schneedepots das sommerliche Abschmelzen in den abgedeckten Bereichen deutlich reduzieren. Das motiviert uns, unser Snowhow auch weiterhin zum Schutz von Schnee und Eis und für einen möglichst ressourcenschonenden Start in den Winter einzusetzen.

Gleichzeitig sparen wir Energie, weil der Einsatz der Beschneiungsanlagen reduziert werden kann.“

 

Kategorie Fakten
Snowfarming-Know-how seit 2010
Zweck Schnee konservieren, Gletschereis schützen und Energie sparen
Vorbereitung Schnee im Frühjahr zusammenschieben und verdichten
Schutz Abdeckung mit reflektierenden, wiederverwendbaren Geotextilien
Nutzung Verteilung des konservierten Schnees vor dem Start in die Wintersaison